Roadtrip to love

Erinnern Sie sich an die Zeit, als Sie das Autofahren gelernt haben?

Die meisten von uns waren wohl erstmal restlos überfordert!

Zwei Hände – und so viele Dinge gleichzeitig zu tun: lenken, schalten, blinken, Scheibenwischer… Wie soll ich denn da jemals noch Radio und Handy bedienen?

Zwei Beine – und drei Pedale! Das geht sich schon rein rechnerisch nicht aus…

Zwei Augen – vorausschauend bleiben, aber den Schulterblick nicht vergessen, und den Rückspiegel! Für die anderen mitdenken, nicht jede*r fährt schließlich so aufmerksam wie ich!

Wo wollte ich nochmal hinfahren?

 

Wie geht es Ihnen heute beim Autofahren?

Die meisten von uns empfinden Fahrzeiten als entspannend. Das ist meine Zeit! Ich stimme mich da auf die Arbeit ein oder lasse sie beim Heimfahren los. Ich höre Musik, die mir gefällt, laut! Ich singe mit. Ich lausche einem Hörbuch, so spannend ist das!

Ich fahre durch Landschaften, beobachte Wildtiere. Ich komme da zur Ruhe.

Für manche ist das Auto die Zweitwohnung, ein Schutzraum, in den ich mich flüchte, wenn ich einen fordernden Termin vor mir oder gerade geschafft habe.

Keine*r denkt mehr an zu viele Hebel oder Pedale und zu wenig Hände oder Beine.

Das vorausschauende Fahren ist selbstverständlich geworden, ebenso Schulterblick und Betätigen des Scheibenwischers.

 

Wie reagieren Sie in der Not?

Manchmal wird es natürlich schon anstrengend, zum Beispiel, wenn viel Verkehr auf der Straße ist, oder wenn es stürmt und schneit, die Straßen glatt sind.

Gott sei Dank gibt es Menschen, die uns da helfen und den Schnee wegräumen, die herbeieilen, wenn es gekracht hat und uns versorgen.

Die quengelnden Kinder auf dem Rücksitz sind natürlich auch nicht so easy nebenher zu schaukeln. Da ist es schon gut, dass wir uns auf unsere Fähigkeiten verlassen können.

Die Beine wissen, was zu tun ist, unsere Reaktionen sind blitzschnell und wir überschauen aufmerksam das Geschehen um uns. Wir wissen, an erster Stelle steht der Schutz und die Sicherheit von allen.

Wir kennen Notfallmaßnahmen, haben eine Warnblinkanlage und ein Warndreieck.

Wenn es heiß hergeht, machen wir vielleicht das Radio aus, schalten einen Gang runter, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können.

Manchmal ist es sogar notwendig, stehen zu bleiben, durchzuatmen, einen Moment auszusteigen, die Kinder und uns selbst zu sortieren. Stopp. Ich brauche einen Moment, muss nachdenken. Erst einmal abwarten, wie sich das Chaos auf der Straße entwickelt.

Irgendwie wissen wir ja, dass beim Autofahren jederzeit etwas sein kann!

Und jetzt ersetzen Sie doch mal das Wort „Autofahren“ durch „Beziehung führen!“

 

Ich behaupte: Lieben ist eine Fähigkeit

Erklären Sie mal Ihrem fünfjährigen Kind, wie das geht, das mit den Beziehungen.

Schwierig. Wo haben wir das nochmal gelernt?

Ach ja, wir haben unseren Eltern zugesehen, dann den Eltern unserer Freund*innen, haben Geschichten gehört (Arielle, die erst ihre Stimme und dann ihre Flosse für den Prinzen aufgab), haben Filme gesehen (Dirty Dancing: „Mein Baby gehört zu mir!“) und irgendwann gab es dann mal Netflix und Youtube.

 

Haben Sie gelernt, was eine Partnerschaft stark macht? Was es für Auswirkungen auf die Beziehung haben kann, ein Kind zu bekommen? Wissen Sie, wie Sie sich streiten und wieder versöhnen können, ohne dass es Verletzte gibt? Wer ist für das Wohlbefinden in der Beziehung zuständig? Wie lange soll das Verliebtsein anhalten? Wie kann ich Vertrauen entwickeln?

So viele Fragen – und (noch) so wenige Antworten. Sie erinnern sich an das Autofahren?

 

Ist Beziehung wirklich Arbeit?

Manche behaupten, dass „man an der Partnerschaft arbeiten“ müsse. Das klingt nicht so verlockend. Sonst schon genug Arbeit.

 

Lernen zu lieben, wäre vielleicht eine entspanntere Haltung.

Wer beginnt, sich darüber zu informieren, was eine Beziehung stärkt, und sich damit auseinandersetzt, wie Zuneigung und Bewunderung füreinander immer wieder entdeckt werden können, wird auch lernen, eine Partnerschaft zu gestalten, die Halt, Stabilität und Glücksgefühle vermittelt.

Lernen bedeutet ja auch, nachzudenken, zu philosophieren, in sich hinein zu spüren, die eigenen Werte zu überprüfen, kreativ zu werden und sich weiterzuentwickeln.

 

Und ein bisschen ist es wie mit dem Autofahren: Wenn ich die wichtigen Handgriffe kenne und auf meine Fähigkeiten vertrauen kann, Strategien für schwierige Situationen und ein Ziel vor Augen habe, dann hat Beziehung nichts mehr mit Arbeit zu tun, sondern steht ganz selbstverständlich für Entspannung, Hingabe, Schutz, Freiheit und Abenteuer!

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